Bergsteiger und Co.
Für viele Hobbywanderer und Gelegenheitsbergsteiger ist das Erklimmen der weltweit höchsten Berge ein absoluter Traum. Ob Kilimandscharo, K2 oder Mont Blanc, egal, man möchte es einmal nach oben geschafft haben. Auch der Fangemeinde der Kletterer wächst stetig und den Mountainbiker eröffnen immer besser ausgestattete Fahrräder neue (Höhen-) Dimensionen. Während früher eine Expedition mit einem erheblichen organisatorischen Aufwand verbunden war, genügt es heute in ein Reisebüro zu gehen und den entsprechenden Trip zu buchen.
Für diese Gruppe ist das Thema Hypoxie besonders interessant. Sie setzen sich dem Sauerstoffmangel bewusst aus – mit allen positiven wie negativen Auswirkungen auf den Körper. Zwar sind Ausrüstung und Technik auf dem modernsten Stand, aber die Belastungen muss der Sportler nach wie vor allein bewältigen. Damit der Spaß nicht von gesundheitlichen Beeinträchtigungen getrübt wird, sollten diese Athleten ein gezieltes Training absolvieren und an die entsprechenden Vorbereitungen denken. Dabei steht die Akklimatisation des Körpers im Vordergrund. Da sich heute die Möglichkeiten bieten, den Organismus bereits im Vorfeld einer Reise auf die Gegebenheiten vor Ort einzustimmen, ist es nur vernünftig diese zu nutzen. Erfolg hat nämlich nur der, der gut vorbereitet ist.
Auch wenn viele Sportler sich bereits mehrfach in der Höhe aufgehalten haben, kennen nur die wenigsten ihre Akklimatisationsgrade. Es ist bekannt, dass nicht jeder den Sauerstoffmangel problemlos verträgt und auch, dass das Ansprechen auf die Höhe sehr unterschiedlich und individuell ausfällt. Deshalb bietet sich ein Höhenverträglichkeitstest an.
Dieser Test kann in einem Trainingsraum auf Normalnull, der Hypoxiebedingungen simuliert, durchgeführt werden. Nach einem ausführlichen Gespräch mit einem Arzt werden mithilfe von Fragebögen mögliche gesundheitliche Risikofaktoren erfasst und vorhandene Erfahrungen mit der Höhe ausgewertet. Erst wenn alle medizinischen Aspekte überprüft wurden, beginnt der Test.
Bei einer vorher festgelegten Herzfrequenz (Grundlagenausdauer 1) trainiert der Patient bei einer Anfangshöhe von 2500 Metern vorrangig auf dem Laufband. Gleichzeitig bekommt er für die dauerhafte medizinische Überwachung ein Pulsoxymeter angelegt, welches Sauerstoffsättigung und Pulsfrequenz misst. In bestimmten Abständen werden die Belastungsparameter wie Herzfrequenz, Geschwindigkeit, Sauerstoffsättigung, Wattleistung und Steigung auf dem Laufband sowie das Befinden (nach dem Lake-Louise-Score) protokolliert. Die Höhe wird langsam gesteigert und erneut alle relevanten Parameter kontrolliert bis die Zielhöhe, die bei 5500 Metern liegt, nach etwas 2,5 Stunden erreicht ist.
Fallen die zu untersuchenden Werte, vor allem Herzfrequenz und Sauerstoffsättigung, schlechter aus als erwartet, wird die Belastung reduziert, die Atmung umgestellt oder sogar der Test abgebrochen. Ziel des Testes ist es herauszufinden:
- ob der Körper Symptome der Höhenkrankheit aufzeigt
- ab welcher Höhe erste Probleme auftreten
- bei welcher Höhe mit dem Training begonnen werden sollte
Trotzdem stellt auch dieser Test keine Garantie für eine Höhenverträglichkeit oder gar eine erfolgreiche Expedition dar. Allerdings erhalten Sportler einen ersten Eindruck wie die Hypoxie auf ihren Körper wirkt, welchen Belastungen sie sich aussetzen und was sie in 5000 Metern Höhe erwarte. Zudem kann ein solcher Höhenverträglichkeitstest eine wertvolle Entscheidungshilfe sein, bevor eine Reise gebucht oder angetreten wird. Ein Höhenverträglichkeitstest bildet außerdem die medizinische Grundlage eines optimalen Höhentrainings.

