Sport in der Höhe
Während der Olympischen Spiele in Mexiko City 1968 entdeckten Beobachter, welche Auswirkungen die 3.000 Höhenmetern der Hauptstadt Mexiko City auf körperliche Höchstleistungen hatten. Topathleten jener Zeit taten sich enorm schwer mit den geografischen Bedingungen und den damit verbundenen Reaktionen des Körpers zurechtzukommen. Gleichzeitig zeigten sich Sportler, die frühzeitig angereist waren oder gar in ähnlichen Regionen lebten, deutlich weniger beeindruckt von der „dünnen Luft“. Hier wurde erstmal einer breiten Öffentlichkeit bewusst, welche Möglichkeiten ein Akklimatisations- oder Anpassungsprozess für Spitzensportler tatsächlich eröffnet. Eine Erkenntnis, die fortan im Sport neue Wege ebnen soll.
Immer wieder bereiten sich Athleten in den vergangenen Jahren insbesondere auf sportliche Großveranstaltungen wie die Olympischen Spiele durch ein spezielles Training in der Höhe vor. Nur durch gezieltes Höhentraining konnte z.B. Wayne Rooney nach chirurgischer Versorgung seiner Verletzung am Mittelfußknochen im Spiel gegen Chelsea auch konditionell rechtzeitig wieder für die Fußball-WM fit gemacht werden. Auch in der Fußball-Bundesliga unterzieht sich u.a. Hertha BSC Berlin regelmäßig einem Höhentraining.
Für Ausdauersportler der Spitzenklasse gehört das Höhentraining zum festen Bestandteil ihrer lang- und kurzfristigen Vorbereitung auf nationale und internationale Wettkampfhöhepunkte. Aber auch in allen anderen Sportarten, in denen eine gute konditionelle Grundlage benötigt wird, wie zum Beispiel in den Spiel- und Kampfsportarten und sogar in technisch-kompositorischen Sportarten wie dem Eiskunstlauf, spielt das Höhentraining zunehmend eine wichtige Funktion im Jahresaufbau.
Die Entwicklungstendenzen der Trainingssysteme weltweit belegen eindeutig, dass das Höhentraining einen festen Platz im Hochleistungstraining vieler Leichtathleten, Schwimmer, Radsportler, Boxer, Kanuten, Triathleten, Skilangläufer, Biathleten, Ruderer und Eisschnellläufer einnimmt. Auch in den Kampfsportarten mit hohen Anforderungen an die anaerob-laktaziden Regulationsprozesse erhält das Höhentraining für die Entwicklung energetisch-konditioneller Fähigkeiten im Jahresleistungsaufbau zunehmende Bedeutung.
Nicht von ungefähr bestimmen in den leichtathletischen Laufdisziplinen Athleten, die aus dem Hochland stammen oder sich permanent dort aufhalten (Kenia, Äthiopien, Marokko), das Weltspitzenniveau.
Entscheidend ist hierbei der stimulatorische Effekt der Hypoxie (= Mangel von Sauerstoff) auf Kreislauf und Muskulatur. Mit dem verminderten Luftdruck in der Höhe ist auch der Sauerstoffpartialdruck der Luft herabgesetzt. Dadurch kann mit der Atmung nicht mehr die volle Menge Sauerstoff wie zu Hause im Flachland aufgenommen werden. Es besteht ein Sauerstoffmangel (Hypoxie). Dem Organismus fehlt ein Teil des Sauerstoffs, den er für seine Tätigkeit benötigt. Seine Leistungsfähigkeit wird momentan eingeschränkt. Es beginnt der „Kampf um Sauerstoff“, bei dem der Organismus seine Reserven mobilisiert und ein neues Leistungspotenzial aufbaut.
Demnach ist Höhentraining:
- fester Bestandteil in der Vorbereitung in vielen Sportarten
- eine Alternative zur Mobilisierung große Leistungsreserven für den nationalen und internationalen Spitzensport
- eine Variante zur Erschließung neuer Horizonte für eine saubere Leistungsentwicklung
Nicht nur für den Hochleistungssport führt ein gezieltes Höhentraining zu besserer Leistungsfähigkeit, sondern auch Hobbysportler und gesundheitsbewusste Menschen profitieren von einem Trainingsaufenthalt in der Hypoxie.
Interviews zum Thema:
Fußball in der Höhe – Ein besonderer Anspruch für Spieler und Ball!
Ein exklusives Interview mit PD Dr. med. Nikolaus Netzer, Leiter des Hermann Buhl Trainings- und Forschungszentrums
