Blog

Vorakklimatisationsstudie – Teil 2

Nachdem der erste Teil der Vorakklimatisationsstudie zur Prävention der akuten Bergkrankheit erfolgreich abgeschlossen wurde, startete nun der zweite Teil. Die Proband/innen setzten sich diesmal OHNE 2 Nächte Vorakklimatisation sofort den 22 Stunden Hypoxie auf 4300m aus. Verglichen wird dann die Inzidenz und der Schweregrad der akuten Bergkrankheit in beiden Gruppen. Für die zweite Gruppe galt das gleiche Setting: standardisierte Mahlzeiten und submaximale Belastungstests in der Höhe.

Wie ist es den Teilnehmer/innen während des 22-stündigen Aufenthalts in der Höhenkammer ergangen?

Die Zeit vor dem Schlafen war relativ angenehem. Nach dem anstregenden Test haben wir uns die Langeweile durch Spiele und Filme schauen vertrieben. In dieser Zeit ging es mir relativ gut, bis auf leichten Schwindel und etwas Kopfweh.“ (Studentin)

Wie war die Nacht?

„ich hatte durchgehend Kopfweh und bin unzählige Male aufgewacht – eine richtig unangenehme Nacht…“ (Studentin)

Während in der ersten Gruppe bereits leichte Symptome der akuten Bergkrankheit auftraten, waren diese in der zweiten Gruppe nun ausgeprägter.

Die Auswertung der erhobenen Daten erfolgt nun am Institut für Sportwissenschaft in Innsbruck, um eine Empfehlung für Bergsteiger/innen geben zu können, die sich auf bestimmte Höhen vorbereiten wollen.

 

 

Second Study Leg of Pre-Acclimatization for the Prevention of Acute Mountain Sickness

After successfully accomplishing the first leg of the pre-aclimatization study for the prevention of acute mountain sickness (AMS), the second leg was recently performed.

Participants were exposed to 22 hours of normobaric hypoxia (aquivalent to 4300m) right away without pre-acclimatizing two nights at 3000 and 3500m. Incidence and manifestation parameters of acute mountain sickness will be compared between groups. The second leg was equally performed: standardized meals and submaximal endurance testings during the stay at altitude.

How did participants feel during 22 hours of normobaric hypoxia?

„During daytime I felt relatively comfortable. After the exhausting test, we played card game and watched movies to relieve our boredom. During this time I felt slightly dizzy and had a bit of a headache.“ (student)

How was the night?

„I had a constant headache and I woke up several times during the night – a real uncomfortable night…“ (student)

In the first group, symptoms of acute mountain sickness manifested during the night, the incidence of AMS seemed to be higher in the second group.

Collected data will be analyzed at the University Institute of Sport Science in Innsbruck in order to provide recommendations for mountaineers who want to prepare for stays at different altitudes.


Erfolgreiche Kilimanjaro Besteigung nach Akklimatisationstraining in der Höhenkammer

Erneut bekamen wir ein positives Feedback von zwei BergsteigerInnen, Anita und Andreas Als, die sich auf die Besteigung des 5895m hohen Kilimanjaros vorbereiteten. Direkt im Anschluss an 5 Trainingseinheiten zwischen 3500 und 6000m, sowie zwei Nächten in den Höhenkammern des Hermann-Buhl-Instituts begaben sich die zwei auf die Reise nach Afrika. Nach einer weiteren Akklimatisationstour auf dein kleinen Mount Meru (3820m) und den großen Mount Meru (4566m) erreichten sie auch erfolgreich das Ziel ihrer Reise, den höchsten Punkt des Bergmassivs in Afrika. Der Kilimanjaro ist mit ca. 50.000 Besteigungen pro Jahr (2016 ) einer der beliebtesten Berge der Seven Summits.

Die erfreuliche Nachricht von Anita und Andreas Als erreichte uns per Email:

Wir wollten uns noch einmal bedanken für das Training und die Betreuung, die absolut hervorragend war und eine sehr gute Vorbereitung. Die Gipfel haben wir geschafft ohne irgendwelche Probleme zu haben. Eure Möglichkeiten sind sehr gut, kann man nur empfehlen das vorher zu machen und ich würde das auch bei der nächsten Reise oder Expedition sofort wieder nützen.


Servus TV Dreh über Höhenverträglichkeit

Am 30.06.2019 hatten wir ein Team des Senders Servus TV bei uns zu Gast im Hermann-Buhl-Institut. Es wurde ein Beitrag für die Serie P.M. Wissen gedreht. Dabei ging es darum, die physiologischen Hintergründe der Höhenverträglichkeit anhand eines Höhenverträglichkeitstests darzulegen. Den Höhenverträglichkeitstest absolvierte J. Strohmayer, ein Berg-begeisterter Medizinstudent aus Bayern. Univ. Prof. Dr. med Nikolaus Netzer betreute den Bergsteiger während des Tests und beantwortete Fragen bezüglich physiologischer Reaktionen in der Höhe. Mehr Informationen zum Höhenverträglichkeitstest finden Sie hier. Der Beitrag wird diese Woche geschnitten, das Ausstrahlungsdatum auf Servus TV werden wir bekannt geben.


Erfolgreiche Höhenanpassung für die Haute Route

Wer sich an diesen heißen Sommertagen nach Schnee sehnt und bereits Pläne für die kommende Wintersaison schmiedet, dem wird die Haute-Route als bekannteste Skidurchquerung der Alpen sicherlich gefallen. Von Zermatt bis Charmonix findet man in mitten unzähliger 4000er endlose Hänge. Kürzlich erhielten wir Feedback von Jens Harnisch, der eine Variante der Haute-Route Ende April erfolgreich absolvierte. Er bereitete sich im Hermann-Buhl-Institut auf die Tour vor, um vor allem die erste Nacht im Rifugio Guide de Cervino auf 3480m problemlos zu überstehen.

Die Haute Route war für mich (übrigens) ganz locker. Sicher auch wegen der Höhenanpassung. Ich hatte vorher die ersten zwei Etappen getestet, ohne Anpassung, es war beschwerlich. Die echte Tour dann mit Besuchen vorher bei Euch, und dann noch eine Nacht auf 3500m geschlafen, und die Haute Route Woche war von Anfang an leicht“.

Mehr Informationen zur Tour finden Sie hier.

Als begeisterter Bergsteiger setzt sich Jens Harnisch immer wieder lohnende Ziele in den Alpen auf die er sich akribisch vorbereitet. Dieses Mal war nicht nur die Höhe, sondern auch das Skifahren eine besondere Herausforderung.

„Im Winter vor der Haute Route war ich jede Woche Ski fahren, zum Üben.“

Ende Juli/ Anfang August beginnt er wieder mit einer Höhenanpassung bei uns für sein nächstes Vorhaben, das berühmte Matterhorn (4487m)!


Expedition auf den Peak Lenin (7134m) – wissenschaftlicher Rat

Zwei baskische Bergsteiger kontaktierten unser Institut während ihrer Vorbereitung auf eine Expedition zum höchsten Berg der Transalai-Kette im nördlichen Pamir Gebirge. Mit 7134m grenzt Peak Lenin im Norden an Kirgistan und im Süden an Tadschikistan. 1928 wurde Peak Lenin das erste Mal bestiegen und gilt heutzutage als beliebter  7000er.

Die Zwillingsbrüder Aitzol und Axier Jaka (35), zwei leidenschaftliche Bergsteiger, setzten sich Peak Lenin über die Razdelnaya Top Route für Anfang Juli zum Ziel. Peak Lenin ist für sie der erste Versuch, einen 7000er zu besteigen. Sie starteten ihre Vorbereitung mit der Evaluation bisheriger Höhenerfahrungen. Während einer vorherigen Besteigung des Elbrus (5610m) bereitete ihnen die Höhe am Gipfeltag Probleme. Trotz gebräuchlicher Akklimatisationstour auf einen 4000er Gipfel, vereitelte ihrer Meinung nach die niedrige Schlafhöhe (3750m) den Gipfelerfolg am nächsten Tag. Sie erreichten „nur“ 5300m. Erst am Folgetag war es für sie möglich den Gipfel zu besteigen.

„…instead, the next day, with really bad weather, windy and stormy, we could arrive the summit, because of the additional day of acclimatization.“

Daraus zogen sie folgenden Schluss:

„our acclimatization process is slower than other people: we need more time to acclimatize than common people“

„we need ascend and sleep as high as possible to acclimate“

Die Evaluation persönlicher Höhenerfahrungen ist der erste wichtige Schritt in der Vorbereitung auf weitere (höhere) Gipfelversuche, da der Akklimatisationsprozess von vielen individuellen Faktoren abhängig ist. Aus diesem Grund gibt es keine eindeutigen wissenschaftlichen Aussagen bezüglich des Akklimatisationsprozesses, die für jede/n Bergsteiger/in gleich von Bedeutung sind. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse basieren hauptsächlich auf der Sammlung von individuellen Erfahrungswerten (F. Berghold, 2015, in Alpin- und Höhenmedizin).

Wie die zwei Bergsteiger richtig vermuteten, ist die Schlafhöhe sehr bedeutend für eine erfolgreiche Besteigung, die Schlafhöhendistanzen definieren den Akklimatisationsplan. Für jede/n Bergsteiger/in gilt eine indivudelle „kritische Höhe“. Nach erreichen dieser, sollten mehrere Nächte auf der Höhe geschlafen werden, bevor man aufsteigt. Um Symptomen der akuten Bergkrankheit vorzubeugen, sollten die täglichen Schlafhöhenunterschiede oberhalb der kritischen Höhe nicht mehr als 400m sein.  Da dies für viele Besteigungen (auch für die von Aitzol und Axier) unter anderem aus logistischen Gründen nicht realistisch ist, ist die Anzahl der Nächte auf der nächsten Höhe entscheidend.

Grundsätzlich gilt aber: man sollte immer so tief wie möglich schlafen, um dem Körper eine weitgehende Regeneration zu ermöglichen. Dafür kann die höchste Tageshöhe bis 1000m darüber liegen. Wichtig ist auch, dass man stets Fluchtwege in tiefere Regionen in Betracht zieht, nachdem man sich folgende Fragen stellt: wie ging es mir in der vergangenen Nacht, vor allem bezüglich Kopfschmerz? (Leitsymptom der akuten Bergkrankheit).

Aus einer weiteren Höhenerfahrung berichtet Aitzol:

„When I was in Ecuador, sleeping in refuges at 4700m – 5000m, I constantly woke up during nights. I couldn’t breath, it was a similar feeling to anxiety attack, but I wasn’t nervous and the next morning I was „well“ and I could climb without heavy headache…is it normal?“

Bei steigender Höhe sinkt die objektive und subjektive Schlafqualität linear. Studien zeigen, dass über 4000m die Häufigkeit von „Arousals“ signifikant steigt. Das teilweise unbewusste Erwachen aufgrund von zu niedriger Sauerstoffsättigung erstreckt sich über Sekunden bis zu wenigen Minuten. Das Gehirn erhält das Signal von mangelnder Sauerstoffversorgung der Zellen, was in einer beschleunigten Herzfrequenz resultiert und den Atemrythmus erhöht (periodische Atmung) (Pramsohler et al., 2019).

Allerdings gibt es weitere unterschiedliche Faktoren, die den Schlaf in der Höhe beeinflussen, wie zum Beispiel die Position des Oberkörpers während des Schlafens, kalte Inspirationsluft, Verdauungsprobleme oder Schmerz. Auch beeinflusst die Tagesaktivität den Schlaf. Wenn man sich tagsüber durch einen Anstieg verausgabt, bauen sich die dadurch verursachten hohen Adrenalin und Cortisol-Werte  im Schlaf nur sehr langsam ab und können Schlaflosigkeit verursachen.

Aufgrund ihrer Erfahrungen entwickelten Aitzol und Axier folgenden Akklimatisationsplan (siehe Bild). Für sie beginnt der kritische Teil der Expedition vermutlich ab Camp 2 (5300m) der Razdelnaya Top Route, vor allem deswegen, da der Sprung von Camp 2 (5300m) auf Camp 3 (6100m) in diesen Höhenlagen sehr groß ist.

Durch ihre akribische Vorbereitung und der guten körperlichen Verfassung bin ich zuversichtlich, dass die Expedition von Aitzol und Axier ein Erfolg wird. Mit ein bisschen Glück werden sie zwischen dem 15.07 und 18.07.19 am Gipfel stehen. Wir werden über die Besteigung berichten!

Linda Rausch, MSc.


Vorakklimatisationsstudie zur Prävention der akuten Bergkrankheit

Als Kooperationsinstitut der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck bieten unsere 3 Höhenräume das perfekte Setting, um wissenschaftliche Studien mit beliebigen Höhenexpositionen bis auf 6000m zu verwirklichen. Dies nutzt derzeit eine Gruppe des Instituts für Sportwissenschaft unter der Leitung von  Assoz. Prof. Mag. Dr. Martin Faulhaber, um eine Vorakklimatisationsstudie zur Prävention der akuten Bergkrankheit durchzuführen.

Vorakklimatisation dient dazu, einer Ausprägung der akuten Bergkrankheit (AMS = Acute Mountain Sickness) vorzubeugen. Zu den Symptomen der AMS zählen unter anderem Kopfschmerz, Appetitlosigkeit, Übelkeit bis zu Erbrechen, Schwindel und Abgeschlagenheit. Je nach Ausprägungsgrad kann dies die kognitive und motorische Leistungsfähigkeit massiv einschränken. Die meisten geführten Touren in größere Höhen beinhalten eine kontinuierliche Höhenakklimatisation am Berg, um das Risiko der AMS zu minimieren. Eine Studie der Arbeitsgruppe um Beidlemann et al (2018) zeigte, dass bereits 2 Tage Vorakklimatisation auf 3000 und 3500m in natürlicher Höhe eine effektive AMS-Präventionsmaßnahme für die anschließende Höhenexposition auf 4300m darstellt und die AMS-Inzidenz um 50% verringert. Im Gegensatz zur natürlichen Höhe, ist eine Vorakklimatisation in normobarer Hypoxie, wie wir sie im Hermann-Buhl-Institut erzeugen können, logistisch praktikabler und leichter anwendbar.

 

Daher ist das Ziel der Vorakklimatisationstudie, die Effektivität von 2 Nächten Vorakklimatisation während eines anschließenden 22 stündigen Höhenaufenthalts in normobarer Hypoxie (4300m) bezüglich des Schweregrades und der Inzidenz von AMS zu untersuchen.

 

Teilnehmer/innen im Alter zwischen 18 und 30 Jahren wurden für die Studie rekrutiert. Die erste Gruppe der Teilnehmer/innen absolvierte am 30.05.19 und 31.05.19 die beiden Akklimatisationsnächte auf 3000m und 3500m. Direkt im Anschluss erfolgte der 22-stündige Höhenaufenthalt auf 4300m. 

 

 Während des Höhenaufenthaltes in der Kammer wurden submaximale Belastungstests durchgeführt.  Jede/r Teilnehmer/in unterzog sich einer Fahrradergometrie mit Laktatmessung. Diese Tests wurden zuvor in Normoxie (normale Umgebung) durchgeführt und nun während der Höhenexposition wiederholt. 

Die zweite Gruppe der Teilnehmer/innen wird in 2 Wochen getestet, diese Gruppe hat KEINE Vorakklimatisation sondern startet sofort mit der 22-stündigen Höhenexposition auf 4300m. Auch die zweite Gruppe absolviert submaximale Belastungstests, um die Parameter der Belastungsfähigkeit mit und ohne Vorakklimatisation zu vergleichen.

 

Während in der ersten Gruppe bereits leichte Symptome der akuten Bergkrankheit auftraten, sind wir nun gespannt auf die Ausprägung der akuten Bergkrankheit in der zweiten Gruppe!

 

 

 

 

 

 


Seite 1 von 41234