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Servus TV Dreh über Höhenverträglichkeit

Am 30.06.2019 hatten wir ein Team des Senders Servus TV bei uns zu Gast im Hermann-Buhl-Institut. Es wurde ein Beitrag für die Serie P.M. Wissen gedreht. Dabei ging es darum, die physiologischen Hintergründe der Höhenverträglichkeit anhand eines Höhenverträglichkeitstests darzulegen. Den Höhenverträglichkeitstest absolvierte J. Strohmayer, ein Berg-begeisterter Medizinstudent aus Bayern. Univ. Prof. Dr. med Nikolaus Netzer betreute den Bergsteiger während des Tests und beantwortete Fragen bezüglich physiologischer Reaktionen in der Höhe. Mehr Informationen zum Höhenverträglichkeitstest finden Sie hier. Der Beitrag wird diese Woche geschnitten, das Ausstrahlungsdatum auf Servus TV werden wir bekannt geben.


Erfolgreiche Höhenanpassung für die Haute Route

Wer sich an diesen heißen Sommertagen nach Schnee sehnt und bereits Pläne für die kommende Wintersaison schmiedet, dem wird die Haute-Route als bekannteste Skidurchquerung der Alpen sicherlich gefallen. Von Zermatt bis Charmonix findet man in mitten unzähliger 4000er endlose Hänge. Kürzlich erhielten wir Feedback von Jens Harnisch, der eine Variante der Haute-Route Ende April erfolgreich absolvierte. Er bereitete sich im Hermann-Buhl-Institut auf die Tour vor, um vor allem die erste Nacht im Rifugio Guide de Cervino auf 3480m problemlos zu überstehen.

Die Haute Route war für mich (übrigens) ganz locker. Sicher auch wegen der Höhenanpassung. Ich hatte vorher die ersten zwei Etappen getestet, ohne Anpassung, es war beschwerlich. Die echte Tour dann mit Besuchen vorher bei Euch, und dann noch eine Nacht auf 3500m geschlafen, und die Haute Route Woche war von Anfang an leicht“.

Mehr Informationen zur Tour finden Sie hier.

Als begeisterter Bergsteiger setzt sich Jens Harnisch immer wieder lohnende Ziele in den Alpen auf die er sich akribisch vorbereitet. Dieses Mal war nicht nur die Höhe, sondern auch das Skifahren eine besondere Herausforderung.

„Im Winter vor der Haute Route war ich jede Woche Ski fahren, zum Üben.“

Ende Juli/ Anfang August beginnt er wieder mit einer Höhenanpassung bei uns für sein nächstes Vorhaben, das berühmte Matterhorn (4487m)!


Expedition auf den Peak Lenin (7134m) – wissenschaftlicher Rat

Zwei baskische Bergsteiger kontaktierten unser Institut während ihrer Vorbereitung auf eine Expedition zum höchsten Berg der Transalai-Kette im nördlichen Pamir Gebirge. Mit 7134m grenzt Peak Lenin im Norden an Kirgistan und im Süden an Tadschikistan. 1928 wurde Peak Lenin das erste Mal bestiegen und gilt heutzutage als beliebter  7000er.

Die Zwillingsbrüder Aitzol und Axier Jaka (35), zwei leidenschaftliche Bergsteiger, setzten sich Peak Lenin über die Razdelnaya Top Route für Anfang Juli zum Ziel. Peak Lenin ist für sie der erste Versuch, einen 7000er zu besteigen. Sie starteten ihre Vorbereitung mit der Evaluation bisheriger Höhenerfahrungen. Während einer vorherigen Besteigung des Elbrus (5610m) bereitete ihnen die Höhe am Gipfeltag Probleme. Trotz gebräuchlicher Akklimatisationstour auf einen 4000er Gipfel, vereitelte ihrer Meinung nach die niedrige Schlafhöhe (3750m) den Gipfelerfolg am nächsten Tag. Sie erreichten „nur“ 5300m. Erst am Folgetag war es für sie möglich den Gipfel zu besteigen.

„…instead, the next day, with really bad weather, windy and stormy, we could arrive the summit, because of the additional day of acclimatization.“

Daraus zogen sie folgenden Schluss:

„our acclimatization process is slower than other people: we need more time to acclimatize than common people“

„we need ascend and sleep as high as possible to acclimate“

Die Evaluation persönlicher Höhenerfahrungen ist der erste wichtige Schritt in der Vorbereitung auf weitere (höhere) Gipfelversuche, da der Akklimatisationsprozess von vielen individuellen Faktoren abhängig ist. Aus diesem Grund gibt es keine eindeutigen wissenschaftlichen Aussagen bezüglich des Akklimatisationsprozesses, die für jede/n Bergsteiger/in gleich von Bedeutung sind. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse basieren hauptsächlich auf der Sammlung von individuellen Erfahrungswerten (F. Berghold, 2015, in Alpin- und Höhenmedizin).

Wie die zwei Bergsteiger richtig vermuteten, ist die Schlafhöhe sehr bedeutend für eine erfolgreiche Besteigung, die Schlafhöhendistanzen definieren den Akklimatisationsplan. Für jede/n Bergsteiger/in gilt eine indivudelle „kritische Höhe“. Nach erreichen dieser, sollten mehrere Nächte auf der Höhe geschlafen werden, bevor man aufsteigt. Um Symptomen der akuten Bergkrankheit vorzubeugen, sollten die täglichen Schlafhöhenunterschiede oberhalb der kritischen Höhe nicht mehr als 400m sein.  Da dies für viele Besteigungen (auch für die von Aitzol und Axier) unter anderem aus logistischen Gründen nicht realistisch ist, ist die Anzahl der Nächte auf der nächsten Höhe entscheidend.

Grundsätzlich gilt aber: man sollte immer so tief wie möglich schlafen, um dem Körper eine weitgehende Regeneration zu ermöglichen. Dafür kann die höchste Tageshöhe bis 1000m darüber liegen. Wichtig ist auch, dass man stets Fluchtwege in tiefere Regionen in Betracht zieht, nachdem man sich folgende Fragen stellt: wie ging es mir in der vergangenen Nacht, vor allem bezüglich Kopfschmerz? (Leitsymptom der akuten Bergkrankheit).

Aus einer weiteren Höhenerfahrung berichtet Aitzol:

„When I was in Ecuador, sleeping in refuges at 4700m – 5000m, I constantly woke up during nights. I couldn’t breath, it was a similar feeling to anxiety attack, but I wasn’t nervous and the next morning I was „well“ and I could climb without heavy headache…is it normal?“

Bei steigender Höhe sinkt die objektive und subjektive Schlafqualität linear. Studien zeigen, dass über 4000m die Häufigkeit von „Arousals“ signifikant steigt. Das teilweise unbewusste Erwachen aufgrund von zu niedriger Sauerstoffsättigung erstreckt sich über Sekunden bis zu wenigen Minuten. Das Gehirn erhält das Signal von mangelnder Sauerstoffversorgung der Zellen, was in einer beschleunigten Herzfrequenz resultiert und den Atemrythmus erhöht (periodische Atmung) (Pramsohler et al., 2019).

Allerdings gibt es weitere unterschiedliche Faktoren, die den Schlaf in der Höhe beeinflussen, wie zum Beispiel die Position des Oberkörpers während des Schlafens, kalte Inspirationsluft, Verdauungsprobleme oder Schmerz. Auch beeinflusst die Tagesaktivität den Schlaf. Wenn man sich tagsüber durch einen Anstieg verausgabt, bauen sich die dadurch verursachten hohen Adrenalin und Cortisol-Werte  im Schlaf nur sehr langsam ab und können Schlaflosigkeit verursachen.

Aufgrund ihrer Erfahrungen entwickelten Aitzol und Axier folgenden Akklimatisationsplan (siehe Bild). Für sie beginnt der kritische Teil der Expedition vermutlich ab Camp 2 (5300m) der Razdelnaya Top Route, vor allem deswegen, da der Sprung von Camp 2 (5300m) auf Camp 3 (6100m) in diesen Höhenlagen sehr groß ist.

Durch ihre akribische Vorbereitung und der guten körperlichen Verfassung bin ich zuversichtlich, dass die Expedition von Aitzol und Axier ein Erfolg wird. Mit ein bisschen Glück werden sie zwischen dem 15.07 und 18.07.19 am Gipfel stehen. Wir werden über die Besteigung berichten!

Linda Rausch, MSc.


Vorakklimatisationsstudie zur Prävention der akuten Bergkrankheit

Als Kooperationsinstitut der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck bieten unsere 3 Höhenräume das perfekte Setting, um wissenschaftliche Studien mit beliebigen Höhenexpositionen bis auf 6000m zu verwirklichen. Dies nutzt derzeit eine Gruppe des Instituts für Sportwissenschaft unter der Leitung von  Assoz. Prof. Mag. Dr. Martin Faulhaber, um eine Vorakklimatisationsstudie zur Prävention der akuten Bergkrankheit durchzuführen.

Vorakklimatisation dient dazu, einer Ausprägung der akuten Bergkrankheit (AMS = Acute Mountain Sickness) vorzubeugen. Zu den Symptomen der AMS zählen unter anderem Kopfschmerz, Appetitlosigkeit, Übelkeit bis zu Erbrechen, Schwindel und Abgeschlagenheit. Je nach Ausprägungsgrad kann dies die kognitive und motorische Leistungsfähigkeit massiv einschränken. Die meisten geführten Touren in größere Höhen beinhalten eine kontinuierliche Höhenakklimatisation am Berg, um das Risiko der AMS zu minimieren. Eine Studie der Arbeitsgruppe um Beidlemann et al (2018) zeigte, dass bereits 2 Tage Vorakklimatisation auf 3000 und 3500m in natürlicher Höhe eine effektive AMS-Präventionsmaßnahme für die anschließende Höhenexposition auf 4300m darstellt und die AMS-Inzidenz um 50% verringert. Im Gegensatz zur natürlichen Höhe, ist eine Vorakklimatisation in normobarer Hypoxie, wie wir sie im Hermann-Buhl-Institut erzeugen können, logistisch praktikabler und leichter anwendbar.

 

Daher ist das Ziel der Vorakklimatisationstudie, die Effektivität von 2 Nächten Vorakklimatisation während eines anschließenden 22 stündigen Höhenaufenthalts in normobarer Hypoxie (4300m) bezüglich des Schweregrades und der Inzidenz von AMS zu untersuchen.

 

Teilnehmer/innen im Alter zwischen 18 und 30 Jahren wurden für die Studie rekrutiert. Die erste Gruppe der Teilnehmer/innen absolvierte am 30.05.19 und 31.05.19 die beiden Akklimatisationsnächte auf 3000m und 3500m. Direkt im Anschluss erfolgte der 22-stündige Höhenaufenthalt auf 4300m. 

 

 Während des Höhenaufenthaltes in der Kammer wurden submaximale Belastungstests durchgeführt.  Jede/r Teilnehmer/in unterzog sich einer Fahrradergometrie mit Laktatmessung. Diese Tests wurden zuvor in Normoxie (normale Umgebung) durchgeführt und nun während der Höhenexposition wiederholt. 

Die zweite Gruppe der Teilnehmer/innen wird in 2 Wochen getestet, diese Gruppe hat KEINE Vorakklimatisation sondern startet sofort mit der 22-stündigen Höhenexposition auf 4300m. Auch die zweite Gruppe absolviert submaximale Belastungstests, um die Parameter der Belastungsfähigkeit mit und ohne Vorakklimatisation zu vergleichen.

 

Während in der ersten Gruppe bereits leichte Symptome der akuten Bergkrankheit auftraten, sind wir nun gespannt auf die Ausprägung der akuten Bergkrankheit in der zweiten Gruppe!

 

 

 

 

 

 


Gelungene Kilimanjaro Besteigung!

Überlegen auch Sie den Kilimanjaro zu besteigen?

Im Folgenden ein Bericht von einem unserer glücklichen Gipfelbesteiger:

Torsten Seher absolvierte im Hermann-Buhl-Institut 10 Akklimatisationstrainingseinheiten für seine geplante Kilimanjaro Besteigung und erreichte am 09.10.2018 pünktlich zum Sonnenaufgang erfolgreich den Uhuru-Peak auf 5895m!

„es ist ein ergreifendes Gefühl auf dem höchsten Punkt Afrikas zu stehen, zumal es ein langersehnter Wunsch von mir war.“

Die Trekking-Tour umfasste eine Besteigung des Mount Meru (4568m) als Akklimatisationsmaßnahme, um im Anschluss auf der Marangu-Route über die Kibo-Hütte den Aufstieg auf den Kilimanjaro zu wagen.

 

 

„Körperlich ist es (auch nach der Besteigung des Mt. Meru) schon anstrengend (zumindest wenn der 60. Geburtstag wie bei mir in greifbarer Nähe ist), die letzten Schritte waren sehr langsam gesetzt und jeweils mit einer eigenen Atemsequenz versehen – trotzdem einfach toll.“

Die typischen Kopfschmerzen als erstes Anzeichen der akuten Bergkrankheit blieben aus und Torsten Seher konnte den Gipfel trotz einiger Anstrengung beschwerdefrei und glücklich erreichen.

„Ich war ja super vorbereitet – habe also niemals Probleme mit der Höhe gehabt (keine Kopfschmerzen o.ä.-  zwar eine etwas eingeschränkte Leistungsfähigkeit, die sich aber mit „pole, pole“ (langsam, langsam) gut ausgleichen lies.“

Auf die Frage, ob Herr Torsten Seher unser Institut weiterempfehlen werde, antwortete er:

„Natürlich, erstens habe ich ja die (von mir gefürchtete) Höhenkrankheit nicht bekommen und zweitens gibt die Vorbereitung psychische Stärke, die bei einem Aufstieg ab Mitternacht und Lava-Sand, der die Schritte (durch das ständige Nachrutschen) nicht gerade leichter macht, auf jeden Fall sehr hilfreich ist.“

 


„GeriAktiv – Fit ins Alter“ geht in die zweite Runde

Nach dem erfolgreichen Abschluss des ersten Teils unserer Studie – gefördert von der Sparkassenstiftung Zukunft – starten wir mit einer zweiten Gruppe ins neue Jahr. Alle Teilnehmer*innen der ersten Gruppe absolvierten das Programm sehr erfolgreich, es fand großen Anklang. Einige der Teilnehmer*innen entschieden sich für eine Weiterführung des Fitnessprogramms. Die Ergebnisse werden in der Zwischenzeit ausgewertet.

 

 


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